
Dort seh’ ich Grane,
mein selig Roß:
wie weidet er munte
r, der mit mir schlief!
Mit mir hat ihn Siegfried erweckt.
Auf wonnigem Munde
weidet mein Auge:
in brünstigem Durst
doch brennen die Lippen,
daß der Augen Weide sie labe!
Dort seh’ ich den Schild,
der Helden schirmte;
dort seh’ ich den Helm,
der das Haupt mir barg:
er schirmt, er birgt mich nicht mehr!
Eine selige Maid
versehrte mein Herz;
Wunden dem Haupte
schlug mir ein Weib:
ich kam ohne Schild und Helm!
Ich sehe der Brünne
prangenden Stahl:
ein scharfes Schwert
schnitt sie entzwei;
von dem maidlichen Leibe
löst’ es die Wehr: –
ich bin ohne Schutz und Schirm,
ohne Trutz ein trauriges Weib!
Durch brennendes Feuer
fuhr ich zu dir;
nicht Brünne noch Panzer
barg meinen Leib:
nun brach die Lohe
mir in die Brust.
Es braust mein Blut
in blühender Brunst;
ein zehrendes Feuer
ist mir entzündet:
die Glut, die Brünnhilds
Felsen umbrann,
die brennt mir nun in der Brust!
O Weib, jetzt lösche den Brand!
Schweige die schäumende Glut!
Kein Gott nahte mir je!
Der Jungfrau neigten
scheu sich die Helden:
heilig schied sie aus Walhall. –
Wehe! Wehe!
Wehe der Schmach,
der schmählichen Not!
Verwundet hat mich,
der mich erweckt!
Er erbrach mir Brünne und Helm:
Brünnhilde bin ich nicht mehr!
Noch bist du mir
die träumende Maid:
Brünnhildes Schlaf
brach ich noch nicht.
Erwache, sei mir ein Weib!
Mir schwirren die Sinne,
mein Wissen schweigt:
soll mir die Weisheit schwinden?
Sangst du mir nicht,
dein Wissen sei
das Leuchten der Liebe zu mir?
Trauriges Dunkel
trübt meinen Blick;
meinAuge dämmert,
das Licht verlischt:
Nacht wird’s um mich.
Aus Nebel und Grau’n
windet sich wütend
ein Angstgewirr:
Schrecken schreitet
und bäumt sich empor!
Nacht umfängt [umbangt]
gebund’ne Augen.
Mit den Fesseln schwindet
das finstre Grau’n:
tauch’ aus dem Dunkel und sieh’: –
sonnenhell leuchtet der Tag!
Sonnenhell
leuchtet der Tag meiner Schmach!
O Siegfried! Siegfried!
Sieh’ meine Angst!